1. Schritt - Die Grundlage für die Genesung vom süchtigen Spielen

1. Schritt: Machtlosigkeit und Unkontrollierbarkeit

 

Teil 1: „Wir gaben zu, dass wir dem Spielen gegenüber machtlos waren - …“

 

Dies ist der 1. Teil von Schritt 1 des Programms der Anonymen Spieler. Es ist sehr bedeutend, dass die Gründer des GA-Programms die Betonung auf die Machtlosigkeit gegenüber dem Spielen legen.

 

Viele Male haben wir Leute beobachtet, die Machtlosigkeit als selbstverständlich betrachten oder mit einer gleichgültigen Einstellung MACHTLOSIGKEIT ALS DIE GRUNDLAGE VERSTEHEN für jede erfolgreiche Annäherung an die Genesung von süchtigem Spielen.

 

Machtlosigkeit zu akzeptieren ist vergleichbar mit dem Legen des Fundaments eines Gebäudes. Ein Fundament muss stabil genug sein, so dass das Gebäude darauf stehen kann. Ein umfassendes Verständnis unserer individuellen Machtlosigkeit muss demnach stabil und fest verankert sein oder wir werden versagen, um unserer Sucht Einhalt zu gebieten.

 

Manche Menschen, die wir in unserem Programm sehen, haben die Einstellung: „Wenn ich feststellen kann, weshalb ich spielte, dann reicht das aus“. Zum Beispiel hören wir öfter: „Mein einziges Problem ist mein Job – ich erhalte zu selten eine Gehaltserhöhung; meine Gattin gibt mehr aus, als ich verdiene, niemand versteht, dass ich spielen muss, um uns über Wasser zu halten“. Manche Menschen beschuldigen einen Nachbarn oder die Nachbarschaft. Das gängigste Beispiel, welches wir hören ist: „Ich habe wirklich kein Problem mit dem Spielen. Ich habe zurzeit lediglich eine kleine Pechsträhne“. Mit solchen Einstellungen, versäumt es der süchtige Spieler, die psychischen Einflüsse wahrzunehmen, die die Machtlosigkeit über seine Abhängigkeit hat.

 

Wir können nicht leugnen, dass es eine psychische Abhängigkeit vom Spielen gibt. Eine psychische Abhängigkeit wurde von der Ärzteschaft bestätigt und es ist wichtig diese psychische Abhängigkeit zu betonen. Um genauer zu sein: als abhängige Menschen haben wir den „Drang“ zu spielen. Wir alle begannen vermutlich aus vielen der gleichen Gründe mit dem Spielen: um zu entspannen, Spaß zu haben, Geld zu machen. Aber nicht einer von uns begann mit dem Spielen, mit der ausdrücklichen Absicht, ein süchtiger Spieler zu werden.

 

Wenn wir vom „Drang“ der spielsüchtigen Person sprechen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass dieser über alle anderen Dränge hinausgehen kann und hinausgeht. Der Drang die Erfahrung des High-Seins zu wiederholen, ist so stark, dass wir viele, wenn nicht sogar alle, unserer Verantwortungen und Werte aufgeben. Wir haben Dinge weg geworfen, welche anscheinend am wichtigsten für uns sind (wie z.B. Familie, Job, persönliches Wohlergehen, Respekt und Integrität), um den Drang zu spielen zu befriedigen. Wir erinnern uns an die guten Zeiten und gelegentlichen großen Gewinne, die wir zweifellos hatten während unserer frühen Spielphasen, und der psychische Drang entsteht, diese Erfahrungen zu wiederholen. Wenn der Drang einmal existiert, wird er völlig selbständig, und er wird zu uns und aus eigenem Antrieb kommen. Wir denken nicht ununterbrochen ans Spielen, aber der Drang zu spielen kann zu jeder Zeit auftauchen.

 

Die Abneigung unsere Machtlosigkeit zu untersuchen, ist genauso ein Symptom unserer Krankheit wie Rückzug oder Verdauungsbeschwerden. Wir erzählen uns und anderen oft, „ich muss nicht spielen, ich spiele nicht die ganze Zeit“. Sozialer Druck, der sich auf den Mythos konzentriert, dass „Willenskraft alles sei, was gebraucht wird, um das Spielproblem zu kontrollieren“ kann zu der Weigerung führen, sich mit unserer Machtlosigkeit zu befassen.

 

Das soziale Image ein Macho oder finanziell unabhängig zu sein ist sehr anstrengend. Es ist nicht leicht für Menschen Machtlosigkeit gegenüber irgendetwas einzugestehen, vor allen Dingen wenn sie nicht gesellschaftliche  Missbilligung durch unkontrolliertes Spielen erfahren haben.

 

Mit der allmählichen allgemeinen Akzeptanz, dass Spielsucht eine Krankheit ist, ändern sich jedoch auch die negativen Einstellungen. Aber die Änderung kommt für einige langsamer als die Akzeptanz. So haben wir viele Male gehört, wenn wir mit Familien abhängiger Menschen gesprochen haben, „Gott sei Dank ist es nur eine Spielsucht und keine Drogenabhängigkeit“. Diese Art sozialer Einstellung kann die Pläne einer Person durchkreuzen, die nach der nötigen Hilfe sucht, um ihre Abhängigkeiten zu kontrollieren, bis eine bedeutende Krise in ihrem Leben aufkommt aufgrund von familiären Uneinigkeiten, Jobschwierigkeiten oder durch Verlust von Selbstachtung und Selbstwert.

 

Häufig beziehen sich der Stress und die Anstrengungen des täglichen Lebens, Spielverluste, familiäre Probleme, Auseinandersetzungen im Job und andere Faktoren direkt auf fortführendes Spielen. Dies demonstriert weiter die Machtlosigkeit in unseren Leben.

 

Ein ehrlicher Blick auf diese Symptome wird uns helfen unsere Machtlosigkeit zu verstehen. Er wird uns ebenso helfen mit dem selbstbetrügerischen Schatten der Angst umzugehen, der unsere Spielsucht umgibt.

 

Machtlosigkeit zu verstehen und zu akzeptieren ist ein Weg in die Freiheit. Wir werden uns selbst befreien von dem Wahnsinn, dem Verlust von Respekt und dem Interessensverlust in Aktivitäten, die in unseren Leben wichtig gewesen waren. Wir werden von der Notwendigkeit befreit sein, der Depression aufgrund unseres Spielens zu widerstehen. Wir werden das falsche Denken verlieren (den Betrug und das Lügen, welches so sehr ein Teil von uns wird, dass wir beginnen unsere eigenen Lügen zu glauben). Wir werden weniger anfällig sein für moralischen Verfall und für Missachtung unseres eigenen Wertesystems. Frage dich selbst, „was gebe ich wirklich auf“? Wirklich gibst du auf Kummer, Schmerz, Unbehagen und einen Kampf um die bloße Existenz in deinem Leben.

 

Abhängige Menschen haben einen X-Faktor. Dies ist eine physische Machtlosigkeit. Der X-Faktor wird so genannt, weil niemand genau weiß, was es ist oder warum es existiert. Viele Studien wurden durchgeführt und werden noch immer durchgeführt, aber bis jetzt, hat keine erklärt, weshalb manche Menschen süchtige Spieler werden.

 

Es ist wichtig zu wissen, dass wir nicht verantwortlich sind für den X-Faktor. Aus irgendwelchen Gründen reagieren wir mit intensiver Freude während unserer ersten Phasen des Spielens. Diese Freude oder Effekt ist es, was uns erlaubt die psychologische Abhängigkeit vom Spielen zu entwickeln. Dieser selbe Effekt hätte stattfinden können während dem Trinken oder Drogengebrauch und dasselbe Ergebnis hätte sich ergeben.

 

Abhängigkeit. Nicht-abhängige Spieler können einen Level der Freude während des Spielens erreichen, aber die Zeitdauer dieses Freudengefühls wird viel kürzer aufrechterhalten als bei denen von uns, die schließlich spielsüchtig werden. Dies könnte ein Ergebnis des X-Faktors sein. Es ist ein Fakt unserer Existenz. Vergleichbar entwickeln manche von uns ein Herzproblem oder Diabetes, manche von uns werden alkohol-, drogen- oder spielsüchtig und manche von uns werden es nicht. Den X-Faktor und die Machtlosigkeit zu verstehen ist erforderlich, um uns zu helfen die moralischen Implikationen und sozialen Stigmata zu überwinden, welche andeuten, dass süchtige Spieler schlecht oder böse oder willensschwach sind. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass wir nicht schlechte Menschen sind, die versuchen gut zu werden, sondern kranke Menschen, die versuchen gesund zu werden.

 

Während wir in der Heilung vorankommen, beginnen wir ein Programm und ein tieferes Verständnis zu entwickeln, wie wir mit der Spielsucht leben, wenn wir sie als Krankheit verstehen, für welche wir nicht persönlich verantwortlich sind sie zu haben. Es ist eine fortschreitende Krankheit und eine, welche uns, wahrscheinlicher als irgendeine andere Krankheit, zerstören wird. Wenn man ihr keinen Einhalt gebietet, wird sie uns komplett als Person zerstören; nicht nur physisch und emotional, sondern auch geistig.

 

Während wir ein umfassendes Verständnis des süchtigen Spielens entwickeln, werden wir anfangen unsere persönliche Machtlosigkeit gegenüber der Krankheit verstehen zu lernen. Wir werden uns nicht schämen zuzugeben, dass wir ihr gegenüber machtlos sind, so wie wir machtlos wären gegenüber jeder anderen Krankheit. Wir werden auch lernen, dass wir nicht fähig sein werden unsere Leben an die Krankheit der Spielsucht anzupassen, es sei denn wir haben ein umfassendes, fortdauerndes Programm der Heilung, in derselben Art wie Diabetes- oder Herzpatienten ein fortwährendes Programm haben, um ihre Krankheit überprüfen zu lassen.

 

Persönliche Verantwortung für Spielsucht tritt auf, wenn wir sie in uns selbst erkannt haben oder andere uns auf die Symptome aufmerksam gemacht haben und wir realisieren, dass wir mit einer Krankheit belastet sind. Es ist dann unsere Verantwortung ein Genesungsprogramm zu starten. Zu diesem Zeitpunkt ist es sinnlos, uns selbst zu verurteilen, süchtige Spieler zu sein.

 

Es ist unbedingt nötig, dass wir persönliche Machtlosigkeit untersuchen, um sie zu verstehen. Es ist für mich offensichtlich, aus meiner eigenen Geschichte und aus der Arbeit mit Menschen in diesem Bereich, dass das, was uns am meisten geholfen hat Machtlosigkeit zu identifizieren, ein ehrlicher Blick darauf war, was das Spielen mit uns gemacht hat. Anstatt als freie und natürliche Menschen zu leben, waren wir darauf reduziert zu kämpfen, um das Leben zu überleben.

 

Der Prozess Machtlosigkeit zu identifizieren, beinhaltet eine gewisse Menge emotionalen Schmerzes, und süchtige Menschen scheinen eine geringe Toleranzschwelle gegenüber Schmerz zu haben. Somit ist es sehr wichtig, dass wir eine Atmosphäre von Fürsorge, Beteiligung und Stärkung bei GA haben und Behandlungsprogramme. Süchtige Menschen scheinen einen Balanceakt zu vollführen hinsichtlich  der Unsicherheit ihrer exakten Situation. Wir müssen auf die schmerzhafte Seite unseres Spielens aufmerksam gemacht werden und dann emotionale Unterstützung erhalten, während wir uns durcharbeiten. Die Notwendigkeit des restlichen Programms wird nicht durch die Betonung der Machtlosigkeit herabgesetzt. Die Bedeutung der Machtlosigkeit im persönlichen Heilungsprozess ist jedoch das absolut erforderliche Fundament von Heilung.

 

Teil 2: „…dass unsere Leben unkontrollierbar geworden waren“

 

Unkontrollierbarkeit ist verwandt mit Machtlosigkeit. Viele Arten sozialen Drucks und Stresses hindern uns daran vollständig unsere eigenen Leben zu lenken. Es gibt zwei Formen von Unkontrollierbarkeit: soziale und persönliche.

 

Soziale Unkontrollierbarkeit folgt unmittelbar auf die Tat der Spielsucht. Es besteht geringer Zweifel, dass ein süchtiger Spieler nach einem Verlust, wenn er ein Auto die Straße runter fährt, unkontrollierbar ist. Jemand, der Tag und Nacht spielt, treibt seinen oder ihren Körper über den Punkt physischer Erschöpfung. Diese Person ist unkontrollierbar.

 

Unkontrollierbarkeit kann offensichtlich sein in der Zahl nicht gedeckter Schecks, Wirtschaftskriminalität, familiären Auseinandersetzungen oder Streits vor oder nach einer Spielepisode, aber dieses Verhalten ist nicht einzigartig für einen süchtigen Spieler. Jede Person, die so viel oder so oft spielt, wie wir dies tun, würde sich auf die selbe Art verhalten. Oft kann solches Verhalten leicht in der Vergangenheit vieler Personen ausgemacht werden. Erinnere dich an die verpassten Familientreffen, Geburtstage und andere soziale Ereignisse, die wegen des Spielens verpasst wurden. Solches Verhalten kann definitiv als Unkontrollierbarkeit klassifiziert werden.

 

Unsere Sucht beeinflusst direkt jeden Bereich unseres Lebens. Unsere Emotionen und unser Verhalten werden beeinflusst. Im Bereich der Arbeit sind verlorene Stunden und ausgewichene Verantwortlichkeiten,  dem Spielen geschuldet. Viele Menschen wollen die völlige Wirkung ihres Spielens verleugnen. Eine recht verbreitete Idee in unserer Gesellschaft ist, dass Spielen der „Dämon“ in unseren Leben ist. Ich respektiere diese Sichtweise, allerdings nur bis zu einem sehr begrenzten Grad. Ich neige mehr dazu die Idee zu betonen, dass es wir alleine sind, die die meisten unserer Probleme verursachen, und nicht das Spielen. Das Spielen wird nicht

Verderben über eine Person bringen, bis diese Person lernt fortwährenden Gebrauch und Missbrauch des Spielens nicht zu rechtfertigen.

 

Persönliche Unkontrollierbarkeit hängt mit unseren Einstellungen und Überzeugungen zusammen, die wir über uns selbst haben, unsere Umwelt und die Menschen mit denen wir leben. In vielen Fällen war persönliche Unkontrollierbarkeit vor der Spielsucht vorhanden.

 

GA-Philosophie ist, dass Aufhören zu spielen nicht genug ist. Wir müssen unsere Persönlichkeiten verjüngen. Wir müssen über uns selbst auf einer intimen Ebene lernen. Wir müssen entdecken, was das GA-Programm als „unsere Charakterfehler“ und „Fehler“ bezeichnet, um uns selbst als Menschen mit Stärken und Schwächen so wie jeder andere auch, zu akzeptieren. Es gibt einige Charakterschwächen, von denen es scheint, dass süchtige Spieler diese gemeinsam haben. Eine ist Egozentrik. Dieser Fehler muss bei jedem von uns vorhanden sein, um unsere Krankheit gedeihen zu lassen. Egoismus scheint einen direkten Angriff zu benötigen, um unser Verleugnungssystem zu brechen und Vertrauen in unsere Sorge für andere Personen wieder aufzubauen.

 

Ein anderer Bereich von verbreiteter persönlicher Unkontrollierbarkeit ist die grundsätzliche Unreife, die bei süchtigen Spielern vorherrschend zu sein scheint. Dies veranlasst uns in einer unsinnigen Weise auf unser Leben zu reagieren. Unreifes Verhalten kann auch auftreten, wenn wir nicht spielen.

 

Unreife ist möglicherweise nicht offensichtlich. Eine Person kann in der Lage sein sehr gut zu funktionieren, wenn sie nicht spielt, aber schon die geringste Erregung oder Störung der normalen Struktur wird eine extreme Reaktion verursachen. Überreagieren ist definitiv unreif. Jedes Verhalten, das dazu führt Selbstachtung und Würde zu vermindern ist ebenso unreif. Einige Beispiele sind Wutanfälle, Gefühle und Emotionen nicht ehrlich mit anderen teilen, auf seine eigene Weise beharren und dergleichen. Solche Verhaltensmuster vergrößern sich und nehmen allmählich den größten Teil der eigenen Persönlichkeit ein.

 

Persönliche Kontrollierbarkeit deckt ein breites Band an Verhaltensmustern aufgrund der vielen Variablen innerhalb der einzelnen Person ab. Wir haben jedoch grundlegende gemeinsame Wünsche. Wir wollen lieben und geliebt werden. Wir wollen spüren, dass wir als Mensch und in unserem täglichen Leben etwas wert sind. Diese Wünsche zu erfüllen kann viel einfacher sein, wenn wir das Leben zu seinen Bedingungen leben, anstatt das Leben zu bekämpfen und nach unseren eigenen Vorgaben zu formen.

 

Die Erkenntnis, dass Leben größer ist als irgendjemand von uns, mag zunächst schwierig sein zu akzeptieren. Akzeptanz des ersten Schrittes und all seiner Auswirkungen wird uns helfen, verschiedene Arten von Verhalten auszuprobieren und es wird zu Einstellungs- und Werteveränderungen führen, welche es uns ermöglichen uns mit uns selbst und mit anderen wohler zu fühlen. 

 

Ich fordere jeden, der diese Broschüre liest, heraus, beim Rest von uns mitzumachen bei der wunderbaren Erfahrung sich seiner selbst bewusster zu werden, unserer Reaktionen des Lebens und der Realisation unseres Potentials als Personen. Dies kann leichter fallen durch die fortwährende Arbeit mit den 12 Schritten des GA-Programms, welches auf dem Verständnis und der Akzeptanz von Machtlosigkeit und Unkontrollierbarkeit basiert. ©  

 

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