Erfahrungsberichte

Ralf P.

Der Glaube, der Berge versetzt

 

Jeder Freund im Meeting ist ein Spiegel für mich selbst. In den Wortbeiträgen der anderen lerne ich mich selbst am besten kennen. Ich merke, dass in meinem Leben viele Dinge nicht in Ordnung sind. Dies betrifft vor allem meine negativen Charaktereigenschaften und die mangelnde Bereitschaft, diese wirklich ändern zu wollen. Wie oft würde ich am liebsten aus dem Raum gehen, wenn der Gedanke zum Tag wieder einmal genau mein Charakterbild beschreibt und wiederspiegelt. Und dies passiert nicht wenige Male. Da mag der eine oder andere vielleicht denken, dass doch jeder so seine kleinen Ecken, Macken und Kanten hat. Ich will mich doch nicht ganz umbiegen. Ich will doch schließlich auch noch ich selbst sein. Doch darum geht es nicht. Es geht um meine tiefen krankhaften Züge, die mich und mein Leben zerstören, wenn ich mich ihnen nicht stelle. Wenn ich nicht die Bereitschaft entwickle, das zu verändern, was mich krank gemacht hat. Meine fehlerhafte Einstellung und mein egozentrischer Charakter. Im Augenblick vollzieht sich ein positiver Wandel in mir. Ich merke, wie mich der Mut zur Veränderung immer mehr aufrichtet. Ich höre langsam damit auf, mir regelmäßig ein Bad in meinem Selbstmitleid zu nehmen. Ich spüre immer deutlicher, wie die Kraft Gottes begonnen hat, mich von innen heraus zu verändern.

 

Heute spüre ich in einer befreienden Intensität, in welch gewaltigem Veränderungsprozess ich mich befinde. Ich spüre diese positive Veränderung in meiner Einstellung; in meiner Auffassungsgabe; in meiner Betrachtungsweise; in meinem Bewusstsein; in meinem ganzen Denken und Handeln. Ich bin zur Ruhe gekommen. Endlich. Ich habe nur selten in meinem Leben einen so tiefen Frieden wie jetzt in mir verspürt. Ich kann mich jetzt in allen Bereichen meines Lebens ohne Angst und Furcht im Spiegel betrachten. Ich bin im 7. Schritt angekommen: „Demütig bitte ich Gott darum, meine Mängel von mir zu nehmen.“ Ich weiß, dass ich nun an einem Punkt in meinem Leben angekommen bin, an dem ich bereit bin Gott wirken zu lassen. Denn ich weiß, dass Gott mich verändern kann, und will, wenn ich dazu bereit bin, es auch wirklich zuzulassen. Wie heißt es in einem Bibel-Sprichwort, das jeder von uns kennt: „Der Glaube versetzt Berge.“ Nur die Demut bringt mich dem Glauben und Gott näher. Meine ganze bisherige Lebenshaltung und Lebenseinstellung war mit wenig ehrlicher Demut verbunden. Eher mit Selbstmitleid. Eher mit Heuchelei. Eher mit Selbstbetrug. Eher mit Egozentrik und Selbstdarstellung. Mein Denken und Handeln ist in vielen Bereichen nicht gesund. Doch Gott hat begonnen, in mir zu wirken. Und dieses Wirken der Höheren Macht sehe ich auch bei meinen Freunden im Meeting. Wie habe ich es so treffend auf dem diesjährigen Deutschlandtreffen im Beitrag eines Freundes gehört: „Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es diese Höhere Macht wirklich gibt, aber ich weiß, dass sie wirkt.“

Dies ist einer der tiefgründigsten Sätze, die ich je in einem GA-Meeting gehört habe. Auch wenn ich selbst noch nicht an diese Höhere Macht glauben kann, sehe ich an der Veränderung meiner Freunde und an mir selbst, dass sie wirklich und wahrhaftig wirkt. Anders sind die ganzen Wunder der Veränderung, die mit den Menschen in den Suchtselbsthilfegruppen geschehen, schlichtweg nicht erklärbar. Menschen, die ihr eigenes Todesurteil schon in ihren Händen hielten und nur noch auf dessen Vollstreckung gewartet haben, stehen mit Gottes Hilfe auf einmal wieder auf, und sind dazu befähigt, ihr Leben, dass sie an Körper, Seele und Geist krank gemacht hat, von Grund auf zu ändern. Diese Kraft ist es wert, sich nach ihr auf die Suche zu machen, und sich ihr zu öffnen.  Denn Gott ist nicht weit entfernt. Er steht sozusagen direkt vor unserer Tür. „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“ (Offb. 3, 20)

 

Ich will auch nicht mehr die Welt verändern, nur noch mich selbst. Ich will niemanden mehr bekehren, doch ich will Zeugnis von der Kraft Gottes geben, die ich in meinem Leben spüre. Ich will Zeugnis geben von dieser Kraft, die in meinem Leben wirkt und bewirkt. Ich will es mir abgewöhnen andere zu beurteilen, oder gar zu verurteilen. Nur noch mich selbst will ich beurteilen. Denn es ist schöner, den Prozess meiner eigenen Veränderung zu spüren, als meinen ohnmächtigen, egozentrischen Gedankengängen nachzugehen, was ich denn tun kann, um den anderen zu retten. Da bin ich selber am Ertrinken, und will immer noch den Bademeister spielen. All diese Gedanken haben nur den Zweck gehabt, nicht die Verantwortung für mich selbst zu übernehmen. Solange ich ja intensiv mit dem anderen beschäftigt bin und mir dadurch noch ein gutes Gewissen einrede, brauche ich mich doch nicht um mich selbst zu kümmern.