Leseprobe: Nur aus Gnade errettet

Mein Leben war also nicht gerade das, was man geläufiger weise eine Erfolgsgeschichte nennt. Aufgewachsen in einfachen und auch recht schwierigen Verhältnissen zeichnete sich bei mir schon in sehr jungen Jahren eine Karriere als Suchtkranker ab. Ab dem fünfzehnten Lebensjahr trat erst der Alkohol, dann leichte Drogen, dann beides zusammen, und als Letztes dann das Automaten-Glücksspiel in mein Leben und begannen ihr zerstörerisches Werk in mir und an mir. Anfangs noch schleichend, doch schon nach wenigen Jahren immer deutlicher und bestimmender, übernahm die Sucht allmählich mein komplettes Leben und steuerte in der Folgezeit somit mein ganzes Denken und Handeln. Schon nach wenigen Jahren stellte sich mehr und mehr der völlige und absolute Kontrollverlust beim Trinken und Spielen bei mir ein. Einmal angefangen, konnte ich aus meinem eigenen Willen heraus nicht mehr aufhören. Erst wenn alles Geld bis auf den letzten Heller verspielt war, konnte ich gezwungenermaßen aufhören. Und mit dem Alkoholkonsum war es nicht viel anders. Nur im Vollrausch, wenn ich einfach eingeschlafen bin oder bewusstlos wurde, kam mein Verlangen nach Alkohol zur Ruhe.

Kontrollverlust bedeutet, wenn ich aus mir selbst heraus einen Trieb oder Drang nicht mehr steuern und stoppen kann. Wenn ich es tun muss, obwohl ich genau weiß, dass das Suchtmittel und mein Verlangen danach mich zwangsläufig und mit all seiner über mich bekommenen Macht zerstören wird; dass die Sucht mich am Ende umbringt. Gnade wird dem zuteil, der diese Erfahrung, der dieses Gefühl der persönlichen Machtlosigkeit nicht kennenlernen muss.

Ich verlor also immer mehr die Selbstkontrolle und irgendwann hatte mich die Sucht dann auch völlig übernommen. Mein Leben wurde nun nicht nur beim Trinken und Spielen, sondern in allen nur denkbaren Bereichen meines Alltags durch die Sucht bestimmt und gesteuert. Aus mir selbst heraus konnte ich keine Kraft mehr entwickeln, um dem Saufdruck, dem Spieldrang und -zwang noch irgendetwas entgegensetzen zu können.                                                                                                                                                                                                      

Doch dann griff Gott aus dem Nichts heraus in mein Leben ein, weil ich sonst kurz darauf vermutlich elendig zugrunde gegangen wäre.

Glaube und Religion waren bis dahin nie wirklich ein Thema in meinem Leben gewesen. Ich verachtete sogar diese mich abstoßende religiöse Heuchelei der Kirchgänger zutiefst. Zuviel davon hat mich in meiner Kindheit und frühen Jugendzeit abgestoßen, als ich noch mit meiner Mutter die Gottesdienste in der Neuapostolischen Kirche besuchen musste. Allgemein breitete sich in meiner ganzen Hilflosigkeit und Verzweiflung sowieso immer mehr Abneigung, Hass, Wut und Zorn auf alles nur Denkbare in mir aus. Doch mich wirklich um Hilfe zu bemühen, dazu war ich innerlich vermutlich zu stolz, oder einfacher ausgedrückt nur zu dumm und auch zu unreif. Also musste Gott selbst tätig werden und direkt in mein Leben eingreifen, weil er für mich, aus meiner heutigen festen Überzeugung heraus, einen anderen Weg vorgesehen hatte.

                                                                           

Und so begegnete ich in völliger Trunkenheit an einem Dienstagnachmittag im März 1993 nach einer abenteuerlichen Vorgeschichte in der Freiburger Innenstadt einem Heilsarmeesoldaten und hatte durch ihn meine erste richtige Begegnung mit einem wahren Mann Gottes. Er nahm sich im Anschluss an diese Begegnung selbstlos meines kaputten Lebens an. Doch ich wollte nichts wissen von seinem Gott und diesem Jesus Christus, von dem mir dieser Glaubensbruder und andere Gläubige in der Heilsarmee die ganze Zeit erzählt haben. Doch Hilfe habe ich trotzdem vorbehaltlos empfangen, denn so sind die Christen ja nun mal. Da hatten sie meiner Meinung nach mit mir wieder einen an die Angel bekommen, der unbedingt gerettet werden musste. Ob er nun will, oder nicht. Ich wusste damals nicht, was gerettet werden, was Errettung im christlich-biblischen Sinne bedeutet. Welch zentrale Botschaft für mich und mein Leben hinter diesem Wort Errettung wirklich steckt. Woher sollte es mir auch bewusst sein, dass ich ohne die Gnade Gottes, ohne das Werk Jesus Christi verloren bin? Bisher waren für mich all die glaubenden Menschen der Religionen nur Jahrmarktprediger, Märchenerzähler, Schaumschläger und zu großen Teilen Selbstdarsteller der übelsten Sorte, die aus reiner Machtgier und Darstellungssucht heraus manipulierend in das Leben von geschwächten und psychisch labilen Personen eingreifen und darin herumpfuschen wollen. Und wie oft hatte ich selbst ja schon in manch einer finanziellen Notlage, als sich die Schlinge um meinen Hals immer enger zuzog, nach diesem Gott doch geschrien, dass er mir doch helfen solle? Dass er mir doch helfen solle, damit ich nicht mehr Spielen, nicht mehr Trinken muss. Doch außer einer unerträglichen Stille, war da Nichts. Da war nichts, was ich hören, spüren, fühlen, oder gar greifen oder sehen konnte. Nichts. Einfach Nichts! So war es also nicht verwunderlich, dass ich, auch aufgrund meiner Prägung, meiner Erziehung, meines Lebenswandels, meines mir im Laufe der Zeit angeeigneten Charakters, zu einem derjenigen verbitterten Menschen wurde, der sich mit all seiner zu einem Berg aufgetürmten Schuld auch nicht ansatzweise bewusst war, dass er vor Gottes Gericht nicht würde bestehen können. Weil ich gar nicht an dieses Gericht Gottes glaubte.                                    

Doch die Heilsarmee hat mich wieder, trotz aller meiner Vorbehalte gegenüber dem christlichen Glauben, wie schon so viele vor mir auch, auf die Füße gestellt. Auf die Füße gestellt, dass ich wieder atmen, dass ich wieder laufen, dass ich wieder leben lernen konnte. Ich bin daraufhin ein halbes Jahr trocken geblieben und dann doch wieder komplett abgestürzt. Anlass war ein einschneidendes Ereignis, über das ich im nächsten Kapitel ausführlich berichte. Der Alkohol wurde für mich wieder wichtiger und tragfähiger als die aufrichtige Suche nach einem Zugang zum Glauben, zu Gott und Jesus Christus.

Und so bin ich fadenscheinig dabeigeblieben und ließ mich also weiter retten, ohne wirklich gerettet werden zu wollen. Ohne im Geringsten verstanden zu haben, dass Errettung in Christus notwendig ist, um vor Gottes Angesicht einmal bestehen zu können. Ich war so borniert, so verbohrt, dass ich in Allem und Jedem immer nur das Schlechteste vermutete. Auch in den Christen, die mich mit Herzlichkeit aufgenommen hatten, die aufrichtig um mein Seelenheil besorgt waren und dafür beteten.

Wie ich dann aber doch noch zum Glauben an Jesus Christus kam, wie ich Heilung und Errettung am Kreuz und durch das Blut Jesu Christi fand, darüber erzählt dieses Buch. Es erzählt über meine Erfahrungen, die ich mit dem Gott der Bibel machen durfte und wie ich sein lebendiges Wort, sein Evangelium für mich verstehe.