Erfahrungsberichte

Ralf P.  

Narzissmus und Trockenrausch

 

Ich habe mich nach Jahren des Nüchtern werden selbst im Trockenrausch befunden, und wenn damals ein alter, erfahrener Gruppenfreund dies nicht erkannt und mich daraus abgeholt hätte, dann wäre ich mit Sicherheit wieder abgestürzt, - und vielleicht nicht mehr zurückgekommen. Es war die mit Abstand gefährlichste Zeit meiner Trockenheit, die ich Dank dieses Freundes ohne Rückfall überstehen durfte. Am Ende sind es immer die eigenen schmerzvollen Erfahrungen, die uns prägen und auf dem Weg halten.

 

Narzissmus aus der Sicht eines Alkoholikers oder Spielers im Trockenrausch. Also ein Alkoholiker, der momentan nicht mehr trinkt, sich selbst dabei jedoch völlig überschätzt und überzeugt ist, es geschafft zu haben; wieder der Tollste, der Beste, der Klügste zu sein. Getrieben von seiner krankhaften Überheblichkeit, will er alle anderen nun auf den richtigen Pfad der Trockenheit führen, weil er als Einziger ja jetzt wirklich weiß, wie es funktioniert. Er merkt nicht mehr, dass er sich in einem gefährlichen egozentrischen Rauschzustand befindet, ohne zu trinken. Klassisch nennt man das: "Trocken besoffen." Ein Absturz, ein Rückfall, ein Aufschlag in der Wirklichkeit, steht ihm dann unmittelbar bevor. Er ist nicht mehr im Stande, sich um das zu kümmern, was für ihn wirklich wichtig wäre: "Um sich selbst!" Er ist in diesem Zustand jedoch nicht mehr befähigt, dies noch selbst zu erkennen.

Kurz zusammengefasst sind die deutlichen Kennzeichen eines Narzissten seine ständige Besserwisserei, sein großspuriges und überhebliches Benehmen und Auftreten. Er äußert sich sehr oft in einem nicht einsichtsvollen und sich selbst überschätzenden Verhalten, das andere oft tief verletzt oder ihnen zumindest äußerst komisch erscheint. In dem er alles in seiner Umgebung auf sich selbst bezieht, scheint er unfähig zu sein, die Bedürfnisse und Belange seiner Mitmenschen weder zu fühlen, noch zu erkennen. Er ist fortwährend auf ihre Kosten überheblich, überschätzt dabei völlig seine Fähigkeiten und seine begrenzten Mittel um überhaupt erst einmal in seinem eigenen Leben wirklich klar zu kommen. In jedem Falle ist sein Verhalten deutlich nicht realitätsbezogen und kann je nach den Umständen in seiner Auswirkung vom Spaßhaften zum Boshaften bis hin zum Wahnhaften variieren.